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Fünf Jahre an der Kunsthochschule Kassel
Ein Resümee (1/3)

Am 22.02.2000 schickte ich meine Anmeldung zur künstlerischen Aufnahmeprüfung an die Kunsthochschule Kassel. Ich bewarb mich für den Studiengang Bildende Kunst.
Meine einzige Intention für diese Entscheidung war die tiefe und zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellte Überzeugung, dass der Sinn eines keramischen Gefäßes nicht im Nutzen endet.
Für Kassel sprach, dass es der letzte Ausbildungsort in Deutschland war, in dem sich die Bildende Kunst und das keramische Gefäß durch eine Professur verbanden. Ein Ausbildungsort mit einer Tradition, die ich nicht hoch genug schätzen kann.

Um acht Uhr am 04.07.2000, der 34. Todestag meines Urgroßvaters Otto Lindig, begann die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule Kassel.
Die zu erfüllende Aufgabe war völlig frei gestellt. Ich sah mit an, wie meine Mitbewerber sich gegenseitig porträtierten oder irgendwelche Raumperspektiven aufs zweidimensionale reduzierten, ich beschloss, da ich das auch alles nicht konnte, aber irgendetwas geschehen musste, mich selbst zu porträtieren – auf das Ergebnis war und bin ich nicht stolz.

Gegen Mittag konnte ich dann den zwei Prüfern und der Prüferin meine Mappe zeigen. Es waren ca. 22 fotografische Arbeiten, zusätzlich hatte ich noch ein paar meiner ersten keramischen Gefäße dabei.

Die Situation war folgende:

Fragen über „Kunst“, bzw. über das, was „Kunst“ ausmacht, hatte ich mir bis dato nicht gestellt. Unter den Künstlern, die nicht die Keramik betrafen, waren mir nur die geläufigsten bekannt. Mir standen die drei Personen gegenüber, die herausfinden wollten, ob ich für dieses Studium geeignet sei.

Die Vorstellung meiner Fotos und ihrer Erläuterung verlief gut. Nun war ich aber dort wegen des keramischen Gefäßes, hatte nur noch keines, das meinen Vorstellungen entsprach, und versuchte, anhand der greifbaren zu erklären, was mir wichtig erschien.
Begeisterung in den Gesichtern der Prüfenden stellte ich mir anders vor, und ich wurde gefragt, ob ich dann gleich in der Keramikwerkstatt auf nimmer wiedersehen verschwinden würde.
Ich verneinte, wohlwissentlich, dass ich log.

Es kam der Nachmittag, an dem sich die Prüfungskommission entschied. Ich war fest davon überzeugt, dass sie mich nehmen würden, wobei diese Überzeugung wohl nur der Tatsache entsprang, dass ich nirgends anders hin wollte und konnte mit meiner Idee.

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